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  Geschichtlicher Hintergrund zu den Bildern

Der Rat der Stadt Luzern hat im 16. und 17. Jahrhundert für alle drei gedeckten Holzbrücken Luzerns (Kapell-, Hof- und Spreuerbrücke) eine künstlerische Ausschmückung mit Bilderzyklen in Auftrag gegeben. Die thematische Konzeption des Bildprogramms der Kapellbrücke legte Stadtschreiber Renward Cysat im Jahre 1611 vor, welcher zusammen mit Ratsherrn Hans Rudolf Sonnenberg die Texte der Giebelbilder verfasste.

Die drei Bilderzyklen

Dieses einzigartige Projekt bewirkte eine richtiggehende Bilderflut, welche die Bilderfreudigkeit des beginnenden Barockzeitalters ankündigte. Um die Finanzen der Stadt Luzern zu entlasten, stifteten die Mitglieder des Grossen und Kleinen Rates eine oder mehrere Tafeln. Als Gegenleistung durften sie in den Bildecken ihre Familienwappen anbringen. Die Bildergeschichte beginnt am Kleinstadtufer beim Theater und beinhaltet drei Zyklen:

- Geschichte Luzerns vom Ursprung bis zur Ausdehnung des landschaftlichen Herrschaftsgebietes der Stadt und die Entwicklung der „alten Eidgenossenschaft“ von den Anfängen bis zur 13-örtigen alten Eidgenossenschaft
- Legende des Stadtpatrons Leodegar – von der Kindheit zum Märtyrertod
- Legende des Stadtpatrons Mauritius – von der Kindheit zum Märtyrertod

Als Hauptquelle für die historischen Begebenheiten diente Cysat die Bilderchronik des Diebold Schilling von 1513.

Maler Hans Heinrich Wegmann

Nach Beendigung des Konzeptes konnte 1611 mit den Malerarbeiten begonnen werden. Dafür konnte Maler Hans Heinrich Wegmann – Vertreter der Schweizer Spätrenaissance-Malerei – aus Zürich verpflichtet werden. Aufgrund des enormen Engagements musste Wegmann sowohl seinen Sohn Hans als auch heute nicht mehr bekannte Maler zu Hilfe rufen. Um seinen Aufwand zu decken, musste die Stadt Luzern schlussendlich das Doppelte der abgemachten Summe auszahlen. Wegmann fertigte zunächst Skizzen der Bilder auf Papier an, wobei einige Entwürfe noch heute vorhanden sind. Diese Skizzen wurden in der Folge auf dreieckige Holztafeln übertragen. Jede Tafel bestand aus drei bis fünf Brettern. In der Regel wurde Fichtenholz für den Bildträger verwendet. Bei Untersuchungen im Jahre 1994 zeigte sich, dass die Holztafeln in der Regel aus Lindenholz bestanden. Sie wurden nicht grundiert, sondern direkt mit Ölfarben auf das nackte Holz bemalt. Diese Maltechnik entspricht der im Aussenbereich gebräuchlichen Dekorationsmalerei (Öl direkt auf Holz) und nicht der sonst üblichen Tafelmalerei mit einer Grundierung.

Stetige Erneuerung

Wind und Wetter ausgesetzt, mussten die Giebelbilder stetig ausgebessert und übermalt werden. Diese Kosten übernahmen meistens Mitglieder derselben Stifterfamilien, deren Wappen erneut angebracht wurden. Auf diese Art und Weise sind nun in den Brückenbilderzyklen einzigartige genealogische Familienalben des Luzerner Patriziates überliefert worden.

Überschwemmung und Brand

Infolge einer Überschwemmung im Jahre 1741 beklagte man den Verlust etlicher Bilder, was die Ergänzung eines Teils nötig machte. Aufgrund der Aufschüttung des Quais wurde die Brücke (1834 und 1838) um rund 80 Meter auf 205 Meter verkürzt. Aus diesem Grunde wurden der Mauritiuszyklus und noch weitere Bilder eingelagert und entkamen so den Flammen des Brandes von 1993. Die einst magazinierten Tafeln des Mauritiuszyklus sind heute wieder auf der Brücke zu sehen. Der Brand vernichtete 86 Bilder gänzlich, nur noch 25 brandgeschädigte Bilder konnten restauriert werden und können heute ebenfalls auf der Brücke zu betrachten.

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